Religion gestern und heute

Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen verlor das Christentum seit den 70er Jahren zunehmend seine beherrschende Rolle als moralische Instanz. Aus der Abkehr von den Kirchen folgte jedoch kein generelles Desinteresse an religiösen Themen wie Sinnfragen und Spiritualität.

Spirituelle Suche und Solidarität

Es entstanden neue Bewegungen. Beispielsweise die ökumenische Gemeinschaft von Taizé in Frankreich, die bis heute Hunderttausende Jugendliche anzieht, weil dort glaubwürdig Spiritualität, Gemeinschaft und Solidarität gelebt werden.

Esoterische Strömungen, neuheidnische Religionen und der Buddhismus verzeichnen ebenfalls Zulauf, da es dort keine Amtshierarchie gibt, Einfachheit, Naturverbundenheit und die spirituelle Arbeit an sich selbst wichtig sind.

Der patriarchale, strenge und teilweise fanatische Islam dagegen übt zunehmend besonders auf muslimische Jugendliche als Identitätsmerkmal eine starke Anziehung aus. In armen Ländern kommen noch die sozialen und politischen Verflechtungen dazu.

Patchwork-Religion

Die Religionen haben sich im Lauf der Zeit unterschiedlich weiter entwickelt. Durch Globalisierung, Zurückdrängung des Patriarchats und neue, konfessionsüberschreitende Bewegungen verlieren die Religionen als Machtinstrument jedoch an Bedeutung. Außer im muslimischen Kulturkreis nimmt das Bekenntnis zu einer bestimmten Religion eher ab. Stattdessen wird zunehmend eine persönliche Religion aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt. Auch die spirituelle Seite und praktisch gelebte Werte wie Gleichheit, Gemeinschaft, Solidarität und Frieden treten mehr in den Vordergrund.